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Bestandsaufnahme der Antiken

Charlotte Pletz

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Per Testament verfügte Ferdinand Franz Wallraf im Jahr 1818, der Stadt Köln seinen Nachlass zu stiften. [1] Als er 1824 starb, vermachte er seiner Heimatstadt eine Sammlung, die aus etwa 80.000 Objekten bestand. [2] Ein erstes Nachlassverzeichnis erschien im Jahr 1826. Dieses wurde von einer Sachverständigenkommission erstellt, der auch Johann Peter Fuchs (1782-1857) und Matthias Joseph De Noël (1782-1849) angehörten. [3] Neben Mineralien, Gemälden, Waffen oder Büchern wurden darin auch zahlreiche Antiken erfasst. Demnach befanden sich 38 Marmorantiken sowie 104 vaterländische Altertümer im Nachlass Wallrafs. Weiterhin wurden 87 Kleinbronzen aus römischer Zeit, 1.297 Antikaglien (Kleinaltertümer), 323 Gemmen und zahlreiche Münzen verzeichnet. [4]

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Im Gegensatz zu einigen seiner Sammlerkollegen verfügte Wallraf über kein großes Vermögen und hatte auch keinen Gönner, der ihn bei Kunstankäufen finanziell bezuschusste. [5] Um 1802 erwarb der Sammler im Zuge der Säkularisation wertvolle Altertümer aus dem Besitz von Kirchen und Klöstern zu günstigen Preisen. [6] Wallrafs Sammlung bestand hauptsächlich aus kölnischen und rheinländischen Bodenfunden. Darüberhinaus befanden sich auch zahlreiche Lampen und Gefäße aus Ton darin. In einigen Fällen wurde Wallraf von Freunden und Sammlerkollegen mit Schenkungen antiker Objekte bedacht. [7]

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Einen Teil der Sammlung Wallrafs bildeten Grab- und Weihesteine Kölner und anderer rheinischer Provenienz, die der Sammler von Graf Franz Joseph von Sternberg-Manderscheid (1763-1830) als Schenkungen erhielt. [8]  Darunter befand sich auch das Fragment einer Grabstele des Claudius Saturninus aus dem 3. Jahrhundert nach Christus, welches auf dem aus dem Jahr 1571 stammenden Mercatorplan abgebildet ist. [9] Auf der Stadtansicht des Kartografen Arnold Mercator (1537-1587), die Köln aus der Vogelperspektive zeigt, wurden auch die wichtigsten Altertümer aus Kölner Sammlungen eingezeichnet. [10] So ist auch der Viktoria-Altar verzeichnet. Bedauerlicherweise konnte Wallraf die Kosten für den Abtransport des Steindenkmals nicht aufbringen. Auf Initiative von Franz Pick (1750-1819) gelangte der Altar im Jahr 1820 nach Bonn in das neue Museum für Rheinisch-Westfälische Altertümer und befindet sich noch heute im Rheinischen Landesmuseum. [11]

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Einen Teil der Sammlung Wallrafs bildeten Grab- und Weihesteine Kölner und anderer rheinischer Provenienz, die der Sammler von Graf Franz Joseph von Sternberg-Manderscheid (1763-1830) als Schenkungen erhielt. [8] Darunter befand sich auch das Fragment einer Grabstele des Claudius Saturninus aus dem 3. Jahrhundert nach Christus, welches auf dem aus dem Jahr 1571 stammenden Mercatorplan abgebildet ist. [9] Auf der Stadtansicht des Kartografen Arnold Mercator (1537-1587), die Köln aus der Vogelperspektive zeigt, wurden auch die wichtigsten Altertümer aus Kölner Sammlungen eingezeichnet. [10] So ist auch der Viktoria-Altar verzeichnet. Bedauerlicherweise konnte Wallraf die Kosten für den Abtransport des Steindenkmals nicht aufbringen. Auf Initiative von Franz Pick (1750-1819) gelangte der Altar im Jahr 1820 nach Bonn in das neue Museum für Rheinisch-Westfälische Altertümer und befindet sich noch heute im Rheinischen Landesmuseum. [11]

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Reliefsarkophag der Apollonia Victorina Bessula (Bildtafel 12)

Foto: ©Rheinisches Bildarchiv Köln/ rba_mf217685

Weiterhin wurde Wallraf der Reliefsarkophag der Apollonia Victorina Bessula in Anerkennung seines Einsatzes für die Wiederherstellung der Ursulakirche überlassen. [12] Der gewalmte Deckel des Sandsteinsarges besitzt einen vorgeblendeten Giebel, in welchen ein Medaillon mit der Büste der Verstorbenen eingelassen ist. Darunter befindet sich die Inschriftentafel, die von zwei Genien gehalten wird. [13] Der Sarkophag stammt aus der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts und befindet sich heute im Römisch-Germanischen Museum in Köln. [14]

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Darüber hinaus erwarb Wallraf diverse italienische Antiken bei Gaetano Giorgini in Rom, von denen das wertvollste Stück wohl das Medusenhaupt ist, welches sich heute in restaurierter Form im Treppenhaus des Römisch-Germanischen Museums befindet. Der erste Ausstellungsort von Wallrafs Antiken befand sich im Kölner Hof in der Trankgasse. Dieses erste Museum bezeichnete man als „Wallrafianum“. [15] Johann Peter Weyer (1794-1864) ließ im Jahr 1838 einen Teil dieser Objekte für die „Kölner Alterthümer“ zeichnen. Diese Blätter geben Aufschluss über den einstigen Bestand und die Aufstellung der Sammlung in ihrer ersten musealen Präsentation. Ab dem Jahr 1861 wurde die Antikensammlung in dem von Johann Heinrich Richartz gestifteten Museumsneubau ausgestellt. [16] Ein Großteil der ursprünglichen Objekte fiel in den Jahren 1942 und 1943 den Bombenangriffen auf die Stadt Köln zum Opfer. Neben dem Medusenhaupt befinden sich nur noch wenige der von Ferdinand Franz Wallraf zusammengetragenen Antiken im heutigen Bestand des Römisch-Germanischen Museums.

 

Anmerkungen

[1] Bianca Thierhoff: Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824). Eine Gemäldesammlung für Köln, Köln 1997, 10.

[2] Sophie Löwenstein: Die Sammlungen des Ferdinand Franz Wallraf, in: Anne Bonnermann et al.: Zwischen antiquarischer Gelehrsamkeit und Aufklärung. Die Bibliothek des Kölner Universitätsrektors Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824), Köln 2006, 33-39, hier: 33.

[3] Peter Noelke: Im Banne der Medusa – Die Antikensammlung Ferdinand Franz Wallrafs und ihre Rezeption, in: Kölner Jahrbuch 26 (1993), 133-216, hier: 137.

[4] Ekkehard Mai: „Wallrafs Chaos“ (Goethe) – Städels Stiftung, in: Ders. / Peter Paret (Hg.): Sammler, Stifter und Museen. Kunstförderung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert, Köln / Weimar / Wien 1993, 63-80, hier: 75f. Vgl. auch Löwenstein: Sammlungen (wie Anm. 2), 35 und Peter Noelke: Die Altertumssammlungen Ferdinand Franz Wallrafs und ihre Rezeption, in: Hiltrud Kier / Frank Günter Zehnder (Hg.): Lust und Verlust. Kölner Sammler zwischen Trikolore und Preußenadler, Köln 1995, 429-456, hier: 430.

[5] Joachim Deeters: Ferdinand Franz Wallraf. Ausstellung des Historischen Archivs der Stadt Köln vom 5. Dezember 1974 bis 31. Januar 1975, Köln 1974, 73.

[6] Gudrun Calov: Museen und Sammler des 19. Jahrhunderts in Deutschland, Berlin 1969, 57.

[7] Löwenstein: Sammlungen (wie Anm. 2), 36.

[8] Peter Noelke: Die Archäologischen Sammlungen des Wallrafianums (Tafel 1-15), in: Johann Peter Weyer: Kölner Alterthümer, Kommentarband, hrsg. von Werner Schäfke unter Mitarbeit von Ulrich Bock, Köln 1994, 293-308, hier: 293.

[9] Noelke: Medusa (wie Anm. 3), 138 und Noelke: Altertumssammlungen (wie Anm. 4), 432 und 434.

[10] Löwenstein: Sammlungen (wie Anm. 2), 36; Wolfgang Schmid: Kölner Sammler im Renaissancezeitalter, in: Hiltrud Kier / Frank Günter Zehnder (Hg.): Lust und Verlust. Kölner Sammler zwischen Trikolore und Preußenadler, Köln 1995, 15-30, hier: 27.

[11] Noelke: Altertumssammlungen (wie Anm. 4), 432f.

[12] Heinrich Düntzer: Verzeichniss der römischen Alterthümer des Museums Wallraf-Richartz in Köln, 3. neu durchges. u. verm. Aufl., Köln 1885, 91. (Digitalisat Düntzer: Verzeichniss)

[13] Noelke: Archäologische Sammlungen (wie Anm. 8), 293.

[14] Noelke: Archäologische Sammlungen (wie Anm. 8), 305.

[15] Noelke: Archäologische Sammlungen (wie Anm. 8), 295.

[16] Löwenstein: Sammlungen (wie Anm. 2), 36.

Empfohlene Zitierweise
Charlotte Pletz, Bestandsaufnahme der Antiken, aus: Gudrun Gersmann, Stefan Grohé (Hg.), Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824) — Eine Spurensuche in Köln (DOI: http://dx.doi.org/10.18716/map/00001), in: mapublishing-lab, 2017,
URL: http://wallraf.mapublishing-lab.uni-koeln.de/sammeln-um-1800/die-wallrafsche-antikensammlung/bestandsaufnahme-der-antiken/ (Datum des letzten Besuchs).

Veröffentlicht: 14.03.2017
Zuletzt geändert: 17.03.2017