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Die Anfänge

Lisa Jureczko

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Die Ursprünge des Melatenfriedhofs liegen in der Mitte des 12. Jahrhunderts, also im mittelalterlichen Köln. [1] Das Areal, auf welchem sich der Friedhof heute befindet, war einst Teil eines Leprosenheimes, das erstmalig 1180 urkundlich als 'campus leprosi' erwähnt wurde. [2] Vermutlich existierte das Heim jedoch schon weitaus früher. [3] Sinn solcher Heime war es, Leprakranke außerhalb der Stadtmauern unterzubringen. [4]

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Im Jahre 1245 wurde die Kapelle St. Maria Magdalena und Lazarus eingeweiht, die in ihrer Grundstruktur und nach mehrmaligen Umbauten auch heute noch besteht. [5] Die Kapelle, die sich ursprünglich an der äußeren, westlichen Ecke des Friedhofs befand und deren Altar durch Erzbischof Konrad von Hochstaden (um 1205-1261) geweiht wurde, ist der älteste Bestandteil des Melatenfriedhofs. Dennoch ist ihre heutige Form auf Umbauten im 15. sowie im 19. Jahrhundert zurückzuführen. [6]

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Die Bezeichnung 'Melaten' leitet sich von dem französischen Wort 'malade' ab, sowie dem niederländischen 'melaatsheit' als Bezeichnung für die an Lepra erkrankten Bewohner des Heimes. [7] Das Leprosenheim wurde 1767 geschlossen, nachdem es an Relevanz verloren hatte. [8] An seine einstigen Bewohner erinnert eine auf das Jahr 1628 datierte Skulptur, deren Kopie sich heute links des kleinen Eingangs gegenüber der Kirche befindet und einen männlichen Leprakranken in Hut, Kniehose, Joppe und Siechenmantel zeigt, welcher in seiner Rechten eine sogenannte Siechenklapper hält, mit der die Kranken auf sich aufmerksam machten. [9]

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Seit dem späten 13. Jahrhundert wurde das Areal zudem als Hinrichtungsstätte sowie für Hexenverbrennungen genutzt. [10] Aus dieser Nutzung ergibt sich derweil der Ursprung der Benennung als „Rabenstein“: Nach den Hinrichtungen blieben oftmals die Überreste der Verstorbenen auf dem Gelände liegen, sodass sich Raben um ebendiese scharten. [11] Bis ins späte 18. Jahrhundert fanden dort Hinrichtungen statt. [12] Der Galgen befand sich im Bereich der heutigen Klarenbachstraße, während die Hinrichtungen mit dem Schwert auf dem sogenannten Rondell vollzogen wurden. [13] Die Beliebtheit solcher Ereignisse zeigt sich insbesondere am Gästehaus, welches nahe der Hinrichtungszone lag und von den Besuchern der Exekutionen genutzt wurde. [14] Die letzte Hinrichtung fand am 13. Juli 1797 statt, als der Kirchenräuber Peter Eick erhängt wurde. [15] Trotz dieser negativen Konnotationen entwickelte sich der Melatenfriedhof zu einem der beliebtesten Friedhöfe Kölns. [16]

Anmerkungen

[1] Johannes Asen: Das Leprosenhaus Melaten bei Köln, Diss. Bonn 1908, 20. Wie sich das Leprosenhaus über die Jahrhunderte hinweg finanzierte, erläutert Asen sehr detailliert, siehe Asen: Leprosenhaus (wie Anm. 1), 33-58. Des Weiteren geht Asen auf die Tätigkeiten der Dienerschaft ein, die auf dem Gelände lebte, ebd., 58–66).

[2] Marianne Vogt-Werling / Michael Werling: Der Friedhof Melaten in Köln. Alle Denkmäler und ihre Zukunft, Köln 2010, 92, Anm. 18; Asen: Leprosenhaus (wie Anm. 1), 20.

[3] Josef Abt / Johannes Ralf Beines / Celia Körber-Leupold: Melaten. Kölner Gräber und Geschichte, Köln 1997, 16.

[4] Johannes Ibach / Hermann Robert Jung: Der Friedhof zu Köln-Melaten, Nachdruck der Ausgabe Köln 1898, Köln 1985, 9.

[5] Vogt-Werling / Werling: Friedhof Melaten (wie Anm. 2), 92, Anm. 18.

[6] [Stadtkonservatorin der Stadt Köln]: Der Friedhof Melaten in Köln-Lindenthal. Ein kulturhistorischer Überblick, in: Jürgen Roters (Hg.): 200 Jahre Melaten. Festschrift und Veranstaltungsprogramm, Köln 2010, 6-11, hier: 8. (Digitalisat Roters: Melaten)

[7] Franz Bender: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln, Köln 1912, 179; [Stadtkonservatorin der Stadt Köln]: Friedhof Melaten (wie Anm. 6), 6; Asen: Leprosenhaus (wie Anm. 1), 22f.

[8] Vogt-Werling / Werling: Friedhof Melaten (wie Anm. 2), 10.

[9] Das Original befindet sich im Kölnischen Stadtmuseum. Asen: Leprosenhaus (wie Anm. 1), 79; Gregor Heinrich Klövekorn: Der Aussatz in Köln, München 1966, 67; Bender: Geschichte (wie Anm. 7), 179.

[10] Vogt-Werling / Werling: Friedhof Melaten (wie Anm. 2), 92, Anm. 18.

[11] Ilona Priebe: Friedhof Melaten. Vom Leprosenhaus zur Millionenallee, 3. überarb. Aufl., Köln 2009, 5.

[12] [Stadtkonservatorin der Stadt Köln]: Friedhof Melaten (wie Anm. 6), 6.

[13] Ibach / Jung: Friedhof (wie Anm. 4), 12.

[14] Priebe: Friedhof Melaten (wie Anm. 11), 5.

[15] Bender: Geschichte (wie Anm. 7), 175; Priebe: Friedhof Melaten (wie Anm. 11), 5.

[16] [Stadtkonservatorin der Stadt Köln]: Friedhof Melaten (wie Anm. 6), 6.

Empfohlene Zitierweise
Lisa Jureczko, Die Anfänge, aus: Gudrun Gersmann, Stefan Grohé (Hg.), Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824) — Eine Spurensuche in Köln (DOI: http://dx.doi.org/10.18716/map/00001), in: mapublishing-lab, 2016,
URL: http://wallraf.mapublishing-lab.uni-koeln.de/wallraf-in-koeln/melatenfriedhof/die-anfaenge/ (Datum des letzten Besuchs).

Veröffentlicht: 06.10.2016
Zuletzt geändert: 06.10.2016